Werte erkennen – Wertkonflikte lösen
Jenseits von üblichen Bewerbungsseminaren und Coachings für Assessements fand am 11. und 12. November bei den Career Days ein Workshop der besonderen Art statt: Diplompsychologin Claudia Schmitt thematisierte die Frage, was junge Berufseinsteiger eigentlich unter „guter Arbeit“ verstehen. Der praxisorientierte Workshop sollte die Absolventen motivieren, über ihre Wertvorstellungen im Hinblick auf den Beruf nachzudenken und eine Orientierung an persönlichen sowie sozialen Werten fördern. Schmitt, die Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik ist, hat die Workshopkonzeption selbst entwickelt und auf die Career Days zugeschnitten.
Die Teilnehmer waren teils Studierende, teils Absolventen aus fachlich unterschiedlichen Richtungen. Schon zu Beginn zeigte sich, dass sie zwar alle relativ konkrete Vorstellungen von ihrem zukünftigen Beruf hatten, zugleich aber unsicher waren, wie sie ihre persönlichen Ressourcen sinnvoll ins Berufsleben einbringen könnten. Sie erhofften sich vom Workshop Anregungen und Hilfsmittel, zum Beispiel kreative Techniken zum Umgang mit dem Erwartungsdruck in der heutigen Leistungsgesellschaft und dabei auftretenden Konflikten. Durch kreatives, praxisbezogenes Training, das eigenständiges und selbstreflexives Denken erforderte, konnte Schmitt ihnen wichtige Hilfestellungen geben.
Five Minds for the Future
Als theoretischen Input stellte die Workshop-Initiatorin die „Five minds for the future“ in Anlehnung an den amerikanischen Intelligenzforscher Howard Gardner vor, welche als Voraussetzung für „gute Arbeit“ anzusehen sind. Darunter sind fünf Geisteshaltungen bzw. Eigenschaften zu verstehen: Disziplin, Denken in Zusammenhängen, Kreativität, Respekt gegenüber anderen Beteiligten und eine Orientierung an ethischen Grundsätzen und Werten. Im Vordergrund standen neben dem übergeordneten Thema „Gute Arbeit“ sowohl die Reflexion persönlicher Wertvorstellungen in Form einer Übung zur Wertehierarchie und Bewusstwerdung über die eigenen Fachkompetenzen und persönlichen Fähigkeiten als auch die Optimierung von Problemlösefähigkeiten in Bezug auf Dilemma-Situationen im Leben, wie sie immer wieder vorkommen. Dabei sollten die Teilnehmer aus ihrem eigenen Lebenskontext Beispiele für solche Konfliktsituationen liefern, in denen eine Entscheidung für eine Alternative schwer fällt.
Anschließend rundeten Kreativitätstechniken wie der so genannte „morphologische Kasten“ und die Lexikonmethode, die in Teamarbeit zum Einsatz kamen, die Einzelreflexionen und Gruppendiskussionen zum Thema „Dilemma-Situationen“ ab.
Werteausgleich und -optimierung
Beim „morphologischen Kasten“ nach Zwicky, einer systematisch-analytischen Kreativitätstechnik, um in Problemsituationen zu neuartigen Lösungen zu gelangen, ist zunächst die Zerlegung des Problems bzw. des Dilemmas in seine Einzelkomponenten zentral, anschließend die Überlegung von Kombinationsmöglichkeiten bestimmter Elemente. Um zum Beispiel eine unausgeglichene Work-Life-Balance zu beseitigen, können Teilkomponenten wie hohe Leistungsorientierung und hoher Stress und Zeitdruck bei der Arbeit mit ausreichender sportlicher Aktivität in der Freizeit und der Pflege von erbauenden privaten Kontakten kombiniert werden. Mit der Technik des morphologischen Kastens konnten konkrete Handlungsoptionen zum Erreichen einer persönlichen Work-Life-Balance erarbeitet werden.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernten durch den Workshop, wie und wann gute Arbeit entsteht: Wenn entsprechende fachliche und persönliche Kompetenzen vorhanden sind und zu ihrer optimalen Nutzung gelangen, wenn eine gewisse Ausgeglichenheit zwischen Beruf und Freizeit besteht und wenn Wertkonflikte zufriedenstellend gelöst werden.
Die Rolle von Werteausgleich und Handlungsflexibilität im Rahmen von Arbeitsprozessen und insbesondere in Bezug auf innovationsorientierte Unternehmenskultur wird an der Universität Bamberg nicht nur in praxisorientierten Workshops vermittelt, sondern auch wissenschaftlich erforscht: In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie dem Europäischen Sozialfonds geförderten Projekt „Wertebasiert flexibel – Chancen des Human-Ressourcen-Managements zum Erhalt und Ausbau transformationaler Innovationskultur“ unter der Leitung von Prof. Dr. Lothar Laux und Dipl.-Psych. Claudia Schmitt wird gemeinsam mit regionalen Unternehmenspartnern der Frage nachgegangen, wie „gute Arbeit“ in Form sozial verantwortlicher Innovationskultur nachhaltig durch Personalentwicklungsmaßnahmen gefördert werden kann.