Zeitgemäße Führung und zeitgemäßer Unterricht sind das eine, Zeit dafür zu HABEN das andere (Bild: Photocase)
Es hatten sich so viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Tagung angemeldet, dass auch der Vorlesungssaal im Marcus-Haus aus allen Nähten platzte (Bilder: Katrin Meyerhöfer)
Schulleiterin Barbara Loos ist eine Wiederholungstäterin; sie kommt seit vielen Jahren nach Bamberg zum Symposium
Das Organisationsteam (von links): Heinz Rosenbusch, Julia Warwas und Detlef Sembill
Die Zeit und der Unterricht
Ausgerichtet wurde die Veranstaltung vom Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik und der Forschungsstelle für Schulentwicklung und Schulmanagement der Universität Bamberg in Zusammenarbeit mit der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen. Die Idee, eine solche Tagung ins Leben zu rufen, geht auf Prof. Dr. Heinz Rosenbusch, Leiter der Forschungsstelle für Schulentwicklung und Schulmanagement, zurück. Früher selbst als Schulleiter tätig, ist ihm aus eigener Erfahrung bekannt, dass Rektoren und Direktoren „viel bewirken“ und sich Schulen durch ihre Arbeit „verändern können“.
Bereits seit 1988 kommen im Zweijahresrhythmus pädagogische Führungskräfte aus ganz Deutschland in Bamberg mit Vertretern aus Wissenschaft und Bildungspolitik zusammen. Die international ausgerichtete Tagung ist damit die erste und älteste ihrer Art in Deutschland für die Zielgruppe Schulleitung. Intention des Bamberger Schulleitungssymposiums ist es, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, miteinander in einen intensiven Austausch über wichtige Fragen aus den Bereichen Schulmanagement, Schulqualität und Schulentwicklung treten zu können. Dabei liegt es den Veranstaltern besonders am Herzen, neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen, die von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dann auf der Grundlage ihrer eigenen, langjährigen beruflichen Expertise diskutiert werden.
Die Mischung macht’s!
„Deshalb haben wir auch versucht, bei den Referentinnen und Referenten eine Doppelbesetzung zu ermöglichen“, sagt Prof. Dr. Detlef Sembill, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftspädagogik. So standen den Wissenschaftlern und politischen Experten, die eher einen theoretischen Bezug zum Thema haben, immer „Praktiker“ zur Seite. Diese konnten ihre Probleme dann „vom Boden der Tatsachen aus“ beschreiben. Sembill ist überzeugt: „Man braucht diese Erdung. Nur so kann es zu einer optimalen Verschränkung von Wissenschaft und Praxis kommen.“ Aus diesem Grund rief Rosenbusch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in seiner Einführungsrede dazu auf, nicht in die Konsumentenrolle zu verfallen, sondern das Symposium mit ihrer Kompetenz zu bereichern.
Viele „Wiederholungstäter“
Dass das Konzept der Veranstalter sowohl bei Schulleitern als auch Experten sehr gut anzukommen scheint, zeigt die Teilnehmerresonanz. Fachleute aus Wissenschaft und Bildungspolitik sowie über 240 pädagogischen Führungskräfte aus allen Teilen des Landes reisten zum Schulleitungssymposium. Die Teilnehmerzahl war aufgrund der großen Nachfrage nachträglich heraufgesetzt worden. „Trotzdem haben die Plätze bei Weitem nicht ausgereicht“, berichten Sembill und Julia Warwas, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik und Mitorganisatorin. Einige dieser Rektoren und Direktoren könnte man als „alte Bekannte“ bezeichnen, da sie immer wieder zum Bamberger Schulleitungssymposium kommen.
Eine von diesen „Wiederholungstätern“ ist Barbara Loos, Vorsitzende der Bundesdirektorenkonferenz und Oberstudiendirektorin am Max-Born-Gymnasium im oberbayerischen Germering. Mehrere Male hat sie im Rahmen der Tagung selbst einen Infoshop abgehalten, so auch diesmal. „Ich komme einfach gerne nach Bamberg“, sagt Loos. Neben interessanten Rahmenvorträgen, bei denen sie „immer was dazu lernt“, freut sie sich auf die Treffen „mit vielen Kollegen, auch aus anderen Bundesländern“. Über das Motto der Tagung, „Zeit“ als Maßbegriff und Lebensbegriff sowie den chronischen Zeitmangel deutscher Schulleiterinnen und Schulleiter kann sie selbst ein Lied singen. Laut einer Studie der Forschungsstelle für Schulentwicklung und Schulmanagement leiden 95 Prozent aller Schulleiter an Zeitmangel und Überarbeitung. Anlässlich dieser Studie berichtete die Süddeutsche Zeitung über Loos und ihren alltäglichen Kampf zwischen Motivation und Frustration.
Behörden greifen neue Ideen meist nur verspätet auf
Rückblickend sind die Veranstalter, die dem diesjährigen Schulleitungssymposium gut ein Jahr der Vorbereitung mit regelmäßigen Programmtreffen gewidmet haben, sehr zufrieden mit dem Ergebnis ihrer Arbeit. Ihr besonderer Dank gilt Klara Günther, der Sekretärin des Lehrstuhls für Wirtschaftspädagogik sowie mehr als 20 studentischen Hilfskräften, die für den reibungslosen Ablauf der Tagung Sorge getragen hatten. Neben vielen hochwertigen Vorträgen kann auch der Auftritt des Künstlerduos „Café Sehnsucht“, das am ersten Tag des Symposiums für die musikalische Umrahmung sorgte, als Highlight bezeichnet werden.
Sembill und seine Mitstreiter bedauern allerdings, dass die Ideen der Schulleitungssymposien erfahrungsgemäß nur mit Verzögerung von den zuständigen Behörden aufgegriffen werden. Hinsichtlich der Vorbereitung von Lehrkräften auf die Rolle des Schulleiters sehen Rosenbusch und Sembill Verbesserungspotential. So fehle bisher die akademische Grundbildung für Schulleiter. Angesichts der rund jährlich 1.000 Neubesetzungen von pädagogischen Führungspositionen wäre der Bedarf nach einer solchen Ausbildung jedoch riesig. Rosenbusch fordert: „Angehende Schulleiter müssen sorgfältig ausgebildet und ausgewählt werden für einen neuen, anspruchsvollen Beruf. Die Universitäten können hierzu einen wichtigen Beitrag leisten“.